Seminare im Wintersemester 2017/18

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Plastik und Interdisziplinäres Arbeiten 

Ich denke Kunst lässt sich lehren, und sie lässt sich erkennen, aber nicht so, wie man das Küssen lernt, nämlich zusammen, sondern so wie man das Fahrradfahren lernt. Es gibt manche, die wollen Kunst auf die Weise des Küssens lehren oder lernen, aber das geht nicht. Man kann das nur beibringen wie das Fahrradfahren, das heißt, man kann es vormachen, man kann das Fahrrad hinstellen, man kann jemanden draufhelfen, man kann jemanden schieben, aber die Balance halten, das muss der dann schon selber.
Dr. Walter Grasskamp 

Aktuelles aus der [Id] factory: 

 

 

 

Die Lehre

Eintagsfliegen, interdisziplinäre Installation, Harenberg-CenterDer kreative Prozess im Kopf erzeugt die Bildung von Erkenntnis. Kunst ist die visualisierte oder sensualisierte Form von Erkenntnis. Der künstlerische Prozess ist nicht linear, möglicherweise auch intuitiv und arbeitet mit immateriellen Werkzeugen wie Wissen und Denkmethoden und materiellen Werkzeugen wie Material, Technik und Handwerk.Erkenntnisse kann man nicht auswendig lernen. Erkenntnisse sind nicht lehrbar, sondern nur versuchsweise initiierbar. Die Übertragung selbst vollzogener Erkenntnis ist für den Gegenüber nicht Erkenntnis, sondern Wissen. Erkenntnisse können nicht außerhalb der eigenen Person gemacht werden. Erkenntnisse bedeuten immer einen neuen Baustein der Persönlichkeitsentwicklung. Erkenntnisprozesse können vorbereitet werden durch Fragen oder eine eigene Fragehaltung. Voraussetzung dafür sind Neugierde, Offenheit, Angstfreiheit und Lust. In der Lehre geht es um qualifizierte Wahrnehmung, die Entwicklung einer eigenen Fragehaltung, die Infragestellung fester Konnotationen, Klischees und bestehender Konventionen, um das Zweifeln, Verrücken, Umsetzen, Positionieren, Experimentieren, um das Antenne - Ausfahren, Wegdenken und Zulassen. Dies ist der Boden für Erkenntnisse und künstlerische Prozesse.

Die visuelle Umsetzung von Erkenntnissen im kreativen Prozess ist nur ein möglicher Transfer. In Zusammenarbeit mit der Steinbeis Hochschule Berlin wird der Zusammenhang zwischen künstlerischem Denkens und neuronalem Management mit Studierenden des Architekturmanagements und des Faches Kunst untersucht und weiterentwickelt.
Im Mittelpunkt der Lehre steht die/der Studierende mit ihrer/seiner individuellen "Plattform" für künstlerische Prozesse. Auf dem Weg zum künstlerischen Werk gibt es weder allgemeine Wahrheiten noch Regeln, sondern allenfalls Übereinkünfte, die -in der Wissenschaft wie in der Kunst - einem ständigen Wandel unterzogen sind. Es geht um die Entwicklung von eigenständigen, in sich stimmigen Subsystemen.
Sowohl für den inneren Gehalt, als auch für die äußere Form und die Herstellungsweise eines Werkes gibt es zunächst unendlich viele Möglichkeiten. Ein Werk wird bestimmt durch die Fokussierung auf den für das Subsystem relevanten Zusammenhang und seine Orientierung auf die Gegenwart und in der Gegenwart.
Das Fach Plastik und interdisziplinäres Arbeiten geht nicht von einer zwangsläufig künstlichen Limitierung durch Fachgrenzen aus, sondern von der grenzüberschreitenden Perspektive im gewählten Kontext und der qualifizierten Wahrnehmung der Gegenwart.
Ausgehend von der immateriellen und individuellen Beschaffenheit von Erkenntnissen befasst sich das Fach Plastik und interdisziplinäres Arbeiten mit drei- und mehrdimensionalem visuellen Denken und Umsetzen.

 

Zwei Dimensionen bilden eine Fläche, die dritte Dimension verhilft der Fläche zum Volumen und ist somit form- und raumbildend.

Die 3. Dimension

Zwei Dimensionen bilden eine Fläche, die dritte Dimension verhilft der Fläche zum Volumen und ist somit form- und raumbildend.

Das Dreidimensionale ist nicht auf das plastische Objekt beschränkt, sondern schließt Raumbildung in jeglicher Ausprägung ein, vom Innenraum über den Außenraum bis hin zum Lebensraum. Der Lebensraum wird dreidimensional, wenn der Betrachter sich über die Tagesebene und somit über sich selbst erhebt.

Raumplastik, Rauminstallation, Performance, Intermedia, Tanztheater, Bühnenbild und Kunst am Bau sind Beispiele für dreidimensionales Arbeiten.

Spindelmodell nach Dr. W. Preißing
Spindelmodell nach Dr. W. Preißing

Im dreidimensionalen Denken werden Faktoren aus (räumlicher) Distanz betrachtet. Über- Sicht und Erkenntnisse lassen sich nur in dieser Ebene gewinnen.

Ziel des Studiums ist die Schulung im dreidimensionalen Denken und die Vermittlung eines Repertoires künstlerischer Umsetzung in zunehmender Komplexität.

 

Materialität, Technik und Handwerk

Mit dem Handwerk und seiner jeweiligen Technik erweitert sich der Spielraum künstlerischer Umsetzungsmöglichkeiten. Aus dem experimentellen Umgang mit Material und Technik können Ideen entstehen, die ggf. zu Erkenntnissen führen können. Grundsätzlich ist die Quelle der Kunst nicht das Handwerk oder umgekehrt. Handwerk transformiert sich bei besonders qualifiziertem Umgang nicht etwa zur Kunst, sondern zu einem besonders guten (Kunst-) Handwerk. Jede Stofflichkeit ist denkbar für die Umsetzung eines dreidimensionalen Werkes. Handfeste Materialien wie Metall, Holz und Beton und ungewöhnliche Medien wie Gras, Watte, Schaum, Wasser, Luft oder Wort, als auch die virtuelle dritte Dimension der Pixel als Video gehören zur Stofflichkeit in diesem Sinne.

Die Entscheidung für Material und Form fällt im Kontext mit der Idee.

Die Entscheidung für Material und Form fällt im Kontext mit der Idee.

Idee, Material und Form beeinflussen und bedingen sich nicht nur gegenseitig, sondern müssen auch von gleicher Qualität sein.
Somit ist die Entwicklung der Idee und des Ideenmanagement gleichrangig zur Entwicklung der Material- und Medienvielfalt und Mediendifferenzierung zu sehen.
Für die technische Umsetzung stehen Werkstätten für Metall-/Holz- und Abgusstechniken, Video und multiple Materialien zur Verfügung. Die mannigfaltigen Techniken werden nach Bedarf gelehrt.
Ein dreidimensionales Werk kann eine monotechnische als auch polytechnische Umsetzung erfahren, von der Skulptur zum Intermedia-Projekt.

 

Mit fortgesetzten Studien sollte der zunehmende Umgang mit verschiedenen Medien eine immer weitergehende Wahl der Mittel ermöglichen.

Mit fortgesetzten Studien sollte der zunehmende Umgang mit verschiedenen Medien eine immer weitergehende Wahl der Mittel ermöglichen.

Künstlerisches Denken und Ideenmanagement

Der künstlerische Prozess setzt einen multiplen Austausch mit der Welt der Ideen voraus. Künstlerisches Denken ist keine Wissensaneignung, nicht die Verwendung von linearen Modellen, Strukturen oder Rezepten. Es bedarf der Erkenntnis durch den eigenen Prozess in der künstlerischen Arbeit.

Künstlerisches Denken ist auch unternehmerisches Denken in ständiger Reaktion mit dem Umfeld und existiert in unendlicher Zahl von Subsystemen, die ineinander, gegeneinander und nebeneinander bestehen. Die Systeme erfinden sich mit dem künstlerischen Prozess gleichzeitig und wandeln sich in einem ständigen Synergieeffekt. Das bedeutet keine Beliebigkeit, es bedarf jedoch der inhärenten und gleichzeitig distanzierten Betrachtung aus der Mitte des Subsystems und des Zusammenspiels aller seiner Teile. Das ist ein äußerst anspruchsvoller Prozess, der außerhalb der Kunst im Feld des Neuronalen Managements zu finden ist. Die Qualifizierung des künstlerischen Denkens, das geistige und visuelle Ideenmanagement und dessen Transfer in künstlerische Strategien, Prozesse und Medien ist ein weiteres Ziel des Faches im Hauptstudium. Das künstlerische Werk entsteht aus dem Austausch zwischen der immateriellen, geistigen Ebene und der materiellen Ebene.

Der Weg ist gezeichnet von Innovation, Spirit, Zweifeln, Wegdenken, in Distanz zur Tagesebene gehen, als Voraussetzung einer eigenen Positionierung in Denken und Handeln.

Die Studierenden entwickeln Kompetenzen bei der Sichtung und Neuorientierung von Fakten und Zusammenhängen und deren Neugestaltung, die sich in einem Kunstwerk ebenso niederschlagen können, wie in einem unternehmerischen Prozess.

Der Transfer in andere Disziplinen und Handlungsräume wird in Seminaren des Lehrstuhls Plastik und interdisziplinäres Arbeiten mit der Steinbeis-Hochschule Berlin und den Studierenden des Architekturmanagements initiiert, im Austausch mit der Universität ULA in Merida, Venezuela; mit der Universität Iowa, Intermedia Studio, USA; im Zusammenspiel mit anderen Fachdisziplinen an der Universität Dortmund, z.B. dem Fach Musik, Textil, Chemie, Baustofftechnik, Bauwesen und Maschinenbau, mit dem Theater Dortmund und nicht zuletzt mit der Realschule in Dettelbach, Bayern.

Transfer Kunst

Der Prozess der Auflösung fester Berufsbilder hat in unserem Wirtschaftssystem längst begonnen. Erforderlich sind grenzüberschreitende Qualifikationen und Transferleistungen. Die Ausbildungsstätten werden noch weiter darauf reagieren in einer gänzlich veränderten Form der Definition, Strukturierung und Vermittlung von Lerninhalten. Der Umgang mit Flexibilität und gleichzeitiger Werthaltigkeit innerhalb eines sich ständig wandelnden Systems ist eine wichtige Transferleistung der Kunst für die Ausbildung der kommenden Generation.
Das künstlerische interdisziplinäre Arbeiten hat die Grenzauflösung schon Anfang des 20. Jahrhunderts mit Picasso avantgardistisch vorausgenommen, wird nun gesamtwirtschaftlich deutlich sichtbar und schlägt sich in der Neuorientierung der heutigen Bildungs- und Wirtschaftspolitik nieder.

Der grenzüberschreitende Ansatz ist Schwerpunkt meiner künstlerischen Arbeit und meiner Lehre.

Prof. Ursula Bertram-Möbius
www.id-factory.de

Werkstätten

Der Lehrstuhl verfügt über eine Holzwerkstatt, eine Metallwerkstatt, eine Werkstatt für Abgusstechniken, eine Werkstatt für Videoschnitt und ein Atelier für multiple Arbeiten.

Werkstattleiter ist Herr Ralf Reinhardt.
Technische Übungen werden außerhalb der Seminare angeboten. Freitag Morgens findet ein Schweißkurs statt, Montag Morgens ein Kurs in der Videoschnitttechnik.

Die Werkstätten können nur benutzt werden nach erfolgter sicherheitstechnischer Einweisung und Abzeichnung, die anfangs des Semesters erfolgt. Die Benutzung der Medien erfordert eine Versicherung, die mit ca. 16 € abgeschlossen werden kann. Der Nachweis einer eigenen Versicherung ist möglich.

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