Zeichnung, Druckgraphik, Grafikdesign

graphik_budapestFoto: Malte Schürmann 

Seminare  

Seminarübersicht Wintersemester 2017/18

 

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Anmerkungen zur Graphik

Bettina van Haaren,2017  

 

Im Zeitalter digitaler Medien mag das Zeichnen heute geradezu archaisch anmuten. Gründe und Nutzen des Zeichnens sind deshalb aufzuzeigen. Beim Kind kann man feststellen, dass das Bedürfnis nach diesem Tun angeboren ist. Das Zeichnen ist also ein anthropogenes Medium, über das Ebenen des Bewusstseins erfasst werden, die durch das begriffliche Denken nicht zu erreichen sind. Zeichnen ist schon für das Kind eine wichtige Form der Erkenntnis, des Ausdrucks und des Mitteilens. Genau diese Möglichkeiten sollten gestaltenden Menschen erhalten bleiben. Kaum ein anderes Medium bietet dies: eine Klärung für den Zeichnenden selbst und eine große Dichte und Wirksamkeit der Mitteilung bei vergleichsweise geringem Aufwand an Zeit und Kraft. Zeichnen erlaubt eine hohe Authentizität: Die zeichnerische Handschrift ist unverwechselbar und Form und Inhalt nicht vom Zeichner zu trennen. Der Zeichnende stellt fest, dass über das Tun Inhalte geprägt werden oder neu entstehen. Bildideen sind nicht fertig im Kopf, sondern klären sich über das Machen. Als ein nicht-begriffliches Denken filtert das Zeichnen die Wirklichkeit völlig anders als jedes andere Medium.

Gleichzeitig schult das Zeichnen auch die Wahrnehmungs- und Vorstellungskraft. Wer zeichnet und gelernt hat, das Gesehene zeichnend zu verändern, nimmt Dinge, Räume oder Menschen vieldeutiger und intensiver wahr. Die Beschäftigung mit einem Bildgegenstand und seine genaue, direkte Beobachtung wirken Schematismen und Klischees entgegen. Der Umgang mit Dingen und ihrem Raum führt zu größerer Differenzierung der Formen, der Farben und der Stofflichkeit. Diese Art der Wirklichkeitserfahrung erweitert das Form-Repertoire und spürt der Logik des Bildgegenstandes nach. Es geht nicht um gedankenloses Abzeichnen, um eine konventionellen Regeln folgende Lösung eines zeichnerischen Problems. Vielmehr entstehen subjektive Bilder, denn das Zeichnen bedeutet jedes Mal einen Prozess geistiger Auseinandersetzung. Der Zeichnende muss sich Gedanken zum Bildgegenstand, über sein Interesse an ihm und seine Einstellung zu ihm deutlich machen. Beim Prozess der Formfindung erwächst dem Zeichnenden Erkenntnis, über die Aneignung vermag er die Sache zu begreifen. Eine eigene Sprache und ein eigenes Anliegen werden entwickelt.

 

 Der Wert einer zeichnerisch erzeugten Wirklichkeit liegt in der Unmittelbarkeit, die keine aufwändige Technik zwischenschaltet. Ganz direkt ist der Weg von Wahrnehmung und Vorstellung zum Papier. Das Ändern, Zögern, die Überraschung, die Kraft und Bestimmtheit während des Prozesses, die Ideenfindung während des Machens - all dies liegt offen. Das Fragmentarische, der geringere Illusionismus und eine besonders hohe Abstraktion fordern heraus. Mehr als in anderen Medien nimmt der Betrachter am Nachdenken des Künstlers teil. Zeichnen macht die Haltung zur Welt sichtbar. Der Zeichner interpretiert sie und bezieht Stellung. Und während des Tuns werden die Einsichten und Erkenntnisse einer ständigen Überprüfung unterworfen und verändert.

Die Fragestellung ist für alle dieselbe: Welcher Wirklichkeitsausschnitt führt zu einem anhaltenden, persönlichen Erkenntnisinteresse? Hohe Qualität ergibt sich aus der Dringlichkeit des Tuns, die Intensität erzeugt.

Neben inhaltlichen Entscheidungen gilt es, formale Lösungen zu finden. Selbstkritisch muss geprüft werden, ob Komposition und Zeichenweise Verbindlichkeit schaffen. Viel wird nachgedacht über Raumillusion und -verflechtung, das Aktivieren von Leerstellen, Spannung und Rhythmus. Die Vortragsweise der Zeichenspur ist von zentraler Bedeutung: der tastende, körperliche und gleichzeitig gespannte Strich in der Suche nach einer eigenen Ordnung oder einem System, die Präzision und die Notwendigkeit, graphische Füllsel zu vermeiden. Hier spielt die Zeichenhaltung, ob im Sitzen oder Stehen, der Schleifkontakt der Hand auf dem Papier, die Länge, Art und Nutzung des Zeichenwerkzeugs eine oft unterschätzte Rolle. Ein Farbeinsatz muss erwogen werden, ohne lediglich zu kolorieren. Wiederholungen, Rhythmik, Durchdringungen und Abbrüche, das Beständige und das Zerbrechliche werden verhandelt. Die Einordnung in und das Absetzen von einem zeitgenössischen künstlerischen Kontext sind begleitend und führen zu permanenter Selbstkritik.

 

Gute Lehre in der Graphik zeichnet sich durch eine große Offenheit gegenüber einer Vielfalt von künstlerischen Haltungen und die erreichte Intensität der Zeichnungen und Druckgraphiken aus. Nach jahrzehntelanger Vermittlung in Schulen und Hochschulen und aus der eigenen künstlerischen Erfahrung heraus hat sich für mich erwiesen, dass eine Auseinandersetzung mit öffentlichen und privaten Räumen zentral sein sollte. Sie werden zum Zeichen-Anlass, indem sie neugierig machen und Impulse für die künstlerische Entwicklung geben. Es gilt, sich mit dem Sichtbaren auseinanderzusetzen, die eigene Motivation zu klären, Leitideen zu entwickeln und Materialentscheidungen zu treffen. Die gesellschaftlichen, baukünstlerischen, landschaftlichen oder biographischen Wirklichkeiten werden registriert und zu Projektionsflächen eigener Befindlichkeiten. Innere Bilder werden sichtbar, die nicht ohne die optischen Herausforderungen denkbar wären. Zeichner verändern durch Anmutungen und Ausdruckswillen die Dingwelt und spiegeln so körperliche Gefühle, Zustände und Ideen wieder. Viele arbeiten direkt vor Ort, ob mit Graphit, Finelinern, Kohle, Aquarell oder Acryl. Andere benötigen die räumliche und zeitliche Distanz, um auf das Gesehene zu reagieren und über selbst gemachte Fotografien zu neuen Findungen zu gelangen. Collageartiges, digitale Bearbeitungen, Tief- oder Hochdrucke erweitern die Zugriffsweisen. Das Spiel mit der Perspektive gelingt nur aus dem Grundverständnis räumlicher Konstruktion heraus, also zum Beispiel dem zunehmenden Aufblick und Unterblick. Räumliche Darstellungsregeln begreift man am ehesten über Versprachlichung der Situation und das Überprüfen der Achsen von Raumzusammenhängen.

Vornehmlich geht es nicht um die Dokumentation und direkte Wiedergabe des Gesehenen. Viel stärker ist der Wunsch nach Verdichten, Neu-Ordnen, Verformen und Spiel. So geraten die erkannten Dinge in eigene Assoziationsketten und verwandeln sich in subjektive Geschichten. Ziel ist ein Erfinden über das authentische Erleben und Erfassen. Nicht selten wird ein zeichnerischer Witz spürbar, der aus der Spannung zwischen Erwartung und Lösung entsteht. Im Verlauf des Prozesses bedeutet dies, klassische Denkmuster aufzubrechen, Wagnisse einzugehen und damit eben auch gesellschaftlich zu wirken.

 

 In der Druckgraphik kann besonders die Lust auf Materialität und Experiment angesprochen werden. Kenntnisse über Technik und Handwerk sind grundlegend, jedoch nicht Selbstzweck. Elementare Verfahrensweisen der einzelnen druckgraphischen Technik sind in der Fachliteratur hinreichend dargestellt, entscheidend im Künstlerischen ist die individuelle Modifikation und die Weiterentwicklung hin zu eigener Bildfindung. Spielerisch können klassische Regeln durchbrochen werden, wenn dies mit Konsequenz geschieht. Gerade in den Zwischentechniken und Präsentationsformen werden neue Wege beschritten, etwa in der Kombination von Sticken und Radierung, randlosen Radierungen in installativen Hängungen, in der Verbindung von Radierung und Computerdruck oder mit Zeichnung, in gesteuerten Prozessen mit Lösungsmitteln in Hochdrucken und in Stempeldrucken verschiedenster Materialien. Spannend ist das Testen von Papierarten oder auch Textilien als Bildträger, wasser- oder öllöslicher Farbe, der Größe des bedruckten Trägers. Häufig ist ein körpergroßes Format eine gute Herausforderung, um Gewichte und Leerräume zu ermitteln und den Betrachter mit spiegelbildlicher Dimension zu konfrontieren.

Die Auseinandersetzung mit der Druckgraphik dient nicht dazu, Zeichnungen, Malerei oder Fotografien zu reproduzieren (sonst wäre sie heute tatsächlich purer Anachronismus), sondern zu Bildfindungen zu gelangen, die aus den Bedingungen des Materials und des Druckprozesses heraus originär entwickelt werden. Neu ist die digitale Druckgraphik, die über gezeichnete Setzungen etwa per Grafiktablett, das Stempelprinzip, Vergrößerungen oder Verkleinerungen, farbige Verwandlungen, Überlagerungen, Dehnungen, Kippungen ohne räumliche Stabilität oder Auslöschprozesse andere, ernste Spiele möglich macht.

 

In der Lehre der Graphik geht es um die Spanne zwischen expressiv-prozessualen und konzeptuellen Handlungen. Sowohl klassische Herangehensweisen als auch mediale Erweiterungen können zu gültigen Findungen führen. Viele Zeichner arbeiten aus direkter Beobachtung und untersuchen die bewegte Umgebung, die alle Sinne anspricht. Standort- und Proportionswechsel werden so möglich. Ziele können die Diversität von Abstraktionsgraden, Blickwechseln und Strichführungen sein. Bilderzählungen speisen sich oft aus Kombinationen von direktem Erleben, fotografischen Fundstücken und aus dem Erinnern.

Besonders spannend werden zeichnerische Projekte, die die reine Illusion von Raumtiefe auf der Fläche verlassen und in den Raum übergreifen, ob mit hängenden oder wachsenden Schnittfiguren oder mit dem Einbeziehen von immateriellen Licht- und Schattenformen. In konzeptuellen Projekten werden extrahierte Elemente in neue Systeme überschrieben.

So wären also als zentrale Aspekte der Graphik zu benennen: energetische Spuren, Rhythmus, Spannung, Mut und eine forschende Haltung.

 

 

Studentische Sprechstunde Graphik-Zeichnung, Druckgraphik und Grafikdesign 

Matthias Plenkmann

Dienstag, 10-11 Uhr Raum 4.105

- Beratung im Hinblick auf BA-/ MA-Arbeiten 

- Hilfestellungen zur Vorbereitung auf künstlerische Prüfungen

- Künstlerische und technische Beratung (Schwerpunkte: Kaltnadel- und Ätzradierung)

- Photoshop & InDesign

- Nutzung des PC-Pools (Raum: 5.229)

- Ausleihe Graphik-Tablets

- Materialausgabe

 

Sandra Opitz

Mittwoch und Donnerstag, 10-12 Uhr Raum 4.105

- Beratung im Hinblick auf BA-/ MA-Arbeiten 

- Hilfestellungen zur Vorbereitung auf künstlerische Prüfungen

- Künstlerische und technische Beratung (Schwerpunkte: Hochdruck und Lithographie)

- Bildbearbeitung, Grafikdesign, Webdesign (u. a. mit Photoshop, InDesign & Dreamweaver)
- Materialausgabe

sandra.opitz@tu-dortmund.de

  

  

Die studentischen Sprechstunden finden während der vorlesungsfreien Zeit unregelmäßig statt!  

  

 

Werkstattplan und Materialausgabe

Werkstattplan Wintersemester 17/18   

Bilder aus Graphik-Arbeit


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